Die Mitteilung der Bundesregierung, dass der deutsche Industriestrompreis von der Europäischen Kommission beihilferechtlich genehmigt wurde, ist ein wichtiges Signal zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrien in Deutschland. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) begrüßt ausdrücklich, dass Unternehmen angesichts hoher Stromkosten gezielt entlastet werden sollen.
Gleichzeitig weist der BDE darauf hin, dass die Kreislaufwirtschaft bislang nicht ausreichend berücksichtigt wird. Dabei zählen gerade Recycling-, Entsorgungs- und Wasserwirtschaftsbetriebe zu den energieintensiven Schlüsselindustrien der Transformation: Sie sichern Rohstoffversorgung, Klimaschutz, Versorgungssicherheit – und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Resilienz der deutschen und europäischen Wirtschaft.
Der BDE hat von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC ein Gutachten erstellen lassen (siehe Pressemeldung vom 04.03.2026), das belegt, dass auch die Recyclingbranche strom- und handelsintensiv ist und damit die Voraussetzungen für eine Förderung durch den Industriestrompreis erfüllt. Auf dieser Grundlage hat der BDE beim Bundeswirtschaftsministerium angeregt, den Industriestrompreis auch auf die Recyclingwirtschaft auszuweiten.
„Die Kreislaufwirtschaft ist ein zentraler Baustein widerstandsfähiger industrieller Wertschöpfungsketten in Deutschland. Sie reduziert Importabhängigkeiten, stabilisiert Lieferketten und macht die Industrie robuster gegenüber geopolitischen und wirtschaftlichen Krisen. Ohne sie gibt es weder funktionierende Rohstoffkreisläufe noch eine erfolgreiche Dekarbonisierung. Es ist daher nicht nachvollziehbar, dass unsere Branche bislang nicht systematisch in die Entlastungsmechanismen einbezogen wird“, erklärt Matthias Harms, kommissarischer Präsident des BDE.
Nach den heute vorgestellten Kriterien profitieren vor allem klassische energieintensive Industrien wie Chemie, Metall oder Papier von dem Instrument. Der BDE fordert die Bundesregierung daher auf, die angekündigte Öffnung für weitere Sektoren konsequent zu nutzen und die Kreislaufwirtschaft kurzfristig in den Kreis der beihilfeberechtigten Branchen aufzunehmen.
Besonders kritisch sieht der Verband, dass große Teile der energieintensiven insbesondere Abfallbehandlung und des Recyclings – Sortier- und Aufbereitungsanlagen – derzeit nicht berücksichtigt werden, obwohl sie erhebliche Stromverbräuche aufweisen und im internationalen Wettbewerb stehen.
„Wer industrielle Wertschöpfung und Resilienz in Deutschland sichern will, darf die Kreislaufwirtschaft nicht ausklammern. Unsere Anlagen laufen rund um die Uhr, stabilisieren Energiesysteme, sichern kritische Stoffströme und liefern Sekundärrohstoffe für die Industrie. Es braucht hier dringend faire Wettbewerbsbedingungen“, so Matthias Harms weiter.
Der Verband begrüßt, dass die Bundesregierung im Rahmen des europäischen Beihilferahmens weitere Sektoren prüfen will, und fordert, diesen Prozess zügig und unter Einbeziehung der Kreislaufwirtschaft voranzutreiben. Ziel müsse ein level playing field für alle energieintensiven Branchen sein, die zur Transformation der Industrie beitragen und zugleich die wirtschaftliche Resilienz stärken.