Metallschrotte: Offene Märkte sichern, Rohstoffabflüsse gezielt begrenzen

Nach vorgelegter Kommissionsliste zum Export nicht-gefährlicher Abfälle in Drittstaaten legt der BDE Kriterien für fairen Handel und gezielte Maßnahmen fest.

Berlin, 16./19. Oktober 2026. Wie Europa seine Versorgung mit Recyclingrohstoffen sichert und zugleich offene Märkte erhält, ist eine zentrale Frage der europäischen Rohstoffpolitik. Besonders deutlich zeigt sich das derzeit am Beispiel von Aluminiumschrott.
Mit der neuen EU-Abfallverbringungsverordnung sind bereits strengere Regeln für Exporte in Nicht-OECD-Staaten beschlossen.
Ab Mai 2027 werden Exporte nicht gefährlicher Abfälle dorthin grundsätzlich untersagt; Ausnahmen sind für Länder und Abfallströme möglich, die die Voraussetzungen einer ordnungsgemäßen Behandlung erfüllen. Welche Exporte künftig möglich bleiben, ist derzeit noch nicht abschließend festgelegt, die Kommission legt für die Prüfung im Bereich metallischer Abfälle allerdings einen strengeren Maßstab an als in anderen Abfallströmen. Bei den hier diskutierten Metallfraktionen handelt es sich um grün gelistete, nicht gefährliche Abfälle zur Verwertung; für den BDE ist zugleich selbstverständlich, dass sie nur in Anlagen verbracht werden dürfen, die eine umweltgerechte Behandlung nach entsprechenden Standards gewährleisten. Gleichzeitig wird auf europäischer Ebene darüber diskutiert, ob darüber hinaus weitere handelspolitische Maßnahmen erforderlich sind, um den Abfluss von Aluminiumschrott aus Europa zu begrenzen.

Für den BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft zeigt die Debatte, dass es bei Exportbeschränkungen keine pauschalen Antworten geben kann. Mit seinem Forderungskatalog zum Export von Stahl- und Metallschrotten legt der Arbeitskreis Metallrecycling des Verbandes Kriterien für einen differenzierten Umgang mit Recyclingrohstoffen vor.

„Rohstoffsicherheit und fairer Wettbewerb hängen eng zusammen: Europa braucht offene Märkte, aber auch die Möglichkeit, bei kritischen Rohstoffabflüssen gezielt zu reagieren. Entscheidend ist, nach Rohstoff, Markt und Versorgungslage zu unterscheiden, statt pauschale Exportbarrieren zu errichten“, erklärt Bernd Fleschenberg, Vorsitzender des Arbeitskreises Metallrecycling im BDE und COO der TSR Group.

Gemeinsam mit den Expertinnen und Experten seiner Mitgliedsunternehmen im Bereich Metallrecycling hat der BDE vier zentrale Forderungen für eine nationale und europäische Rohstoffstrategie entwickelt:

1. Fairer und umweltkonformer Handel

Der BDE spricht sich entschieden für den fairen und umweltkonformen Handel mit Eisen- und Nichteisenmetallen zur stofflichen Wiederverwertung aus. Insbesondere im Binnenmarkt nicht verarbeitbare oder nicht nachgefragte Qualitäten und Mengen müssen weiterhin exportiert werden dürfen, sofern Umweltstandards eingehalten werden. In bestimmten Fällen sind aber auch gezielte Gegenmaßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung mit kritischen Rohstoffen, wie bestimmten Metallschrott-Qualitäten, erforderlich.

2. Keine pauschalen, sondern gezielte Exportbeschränkungen

Die auf europäischer Ebene diskutierten pauschalen Exportbeschränkungen wie Ausfuhrzölle lehnt der BDE ab – es sei denn,
andere Wirtschaftsräume führen ihrerseits Exportbeschränkungen ein oder das Abfließen eines kritischen Rohstoffs aus der EU wird festgestellt – in einem Maße, das die Versorgungssicherheit der EU gefährdet. In diesem Fall sollte die EU zum Schutz des fairen Wettbewerbs („Level Playing Field“) vergleichbare Exportbeschränkungen gegenüber betroffenen Wirtschaftsräumen und Materialfraktionen erwägen.

3. Einheitliche und klar kommunizierte Einstufungskriterien

Für einen funktionierenden europäischen Binnenmarkt für Abfälle und Recyclingrohstoffe bedarf es einheitlicher und klar kommunizierter Einstufungskriterien, die EU-weit harmonisiert und konsequent angewendet werden. Nur so kann Rechtssicherheit geschaffen und der grenzüberschreitende Handel erleichtert werden.

4. EU-First-Ansatz – Stärkung der EU-Versorgung und Binnennachfrage

Gleichzeitig bekennt sich der BDE mit einem klaren „EU-First-Ansatz“ zur Partnerschaft mit der europäischen Stahl- und Metallindustrie: Der bevorstehende technologische Wandel – etwa der Umstieg von der Hochofen- zur Elektroofenroute in der Stahlproduktion – wird den Bedarf der Industrie an hochwertigen Recyclingrohstoffen deutlich erhöhen. Gleichzeitig trägt der Einsatz von Recyclingrohstoffen erheblich zur Reduzierung der Gesamtemissionen in der Stahlerzeugung bei und sichert darüber hinaus die Unabhängigkeit Europas von sensiblen Lieferketten.

Fleschenberg abschließend: „Wir sind als Recyclingwirtschaft Rohstofflieferant der Industrie. Unser Ziel muss deshalb sein, möglichst viele Recyclingrohstoffe hochwertig aufzubereiten und wieder in industrielle Wertschöpfungsketten zurückzuführen.
Das spart Energie und CO₂, verringert Importabhängigkeiten und stärkt die Resilienz unserer Industrie. Dafür brauchen wir verlässliche Märkte und Rahmenbedingungen, die Kreisläufe tatsächlich ermöglichen.“

Kontakt

Dirk Böttner-Langolf

Leitung Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Pressesprecher

Dr. Carmen Stolze

Fachreferentin Metallrecycling