Neue Verbändestudie: Brände in Entsorgungsanlagen nahezu verdreifacht

200 bis 320 Millionen Euro batteriebezogene Schäden / BDE fordert wirksame Maßnahmen und verbindlichen Zeitplan

14.10.2026

Berlin, 14. Oktober 2026. Die Zahl der gemeldeten Brände in 181 untersuchten Entsorgungs- und Recyclinganlagen hat sich zwischen 2021 und 2025 nahezu verdreifacht: von 729 auf 2.028. Das zeigt die heute vorgestellte Verbändestudie „Brandereignisse in der Entsorgungswirtschaft“. Die geschätzten volkswirtschaftlichen Schäden batteriebezogener Brandereignisse liegen für diesen Zeitraum bei 200 bis 320 Millionen Euro. Angesichts dieser Entwicklung fordert der BDE-Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft konkrete politische Maßnahmen gegen falsch entsorgte Batterien.

Dr. Andreas Bruckschen, Hauptgeschäftsführer des BDE, erklärt: „Die Studie bestätigt den Handlungsbedarf, auf den wir seit Jahren hinweisen: Wir müssen Fehlwürfe verhindern und Hersteller an den Kosten beteiligen. Deutschland muss unsere Forderungen jetzt in konkrete Maßnahmen übersetzen. Wenn bei unseren Mitgliedern die Anlagen abfackeln, können Prüfaufträge mit Vorbehalten nicht zufriedenstellend sein. Wir brauchen jetzt wirksame Maßnahmen mit klarem Zeitplan.“

Der BDE fordert vier ineinandergreifende Maßnahmen:

  • Einweg-E-Zigaretten verbieten: Vermeidbare Wegwerfprodukte mit eingebauten Akkus müssen vom Markt genommen werden. Frankreich, Belgien, Bulgarien und das Vereinigte Königreich haben solche Verbote bereits umgesetzt.
  • Pfand oder Cashback einführen: Finanzielle Anreize sollen die richtige Rückgabe von Batterien und batteriehaltigen Geräten attraktiver machen. Im österreichischen Feldbach hat ein Pilotprojekt mit Rückgabeprämien die Akkusammlung vervierfacht.
  • Herstellerfinanzierten Präventions- und Ausgleichsfonds schaffen: Hersteller müssen durch einen Fonds an den Kosten für Brandschutz, erhöhte Versicherungskosten und nicht ausreichend versicherte Brandschäden beteiligt werden. Diese Belastungen dürfen nicht allein bei den Entsorgungsunternehmen bleiben. Die Studie bewertet einen solchen Fonds als grundsätzlich geeignet; seine konkrete Ausgestaltung und rechtliche Umsetzung sind zu klären.
  • Aufklärung dauerhaft stärken: Hersteller, Handel und öffentliche Hand müssen stärker über versteckte Batterien und die richtige Entsorgung informieren. Der BDE leistet seiner Kampagne „Brennpunkt: Batterie“ bereits einen konkreten Beitrag: bereits über zwei Millionen Aufkleber weisen an Abfalltonnen auf die Gefahren falsch entsorgter Batterien hin.

Die Entsorgungsunternehmen investieren erheblich in Branderkennung, Löschtechnik und sichere Betriebsabläufe. Sie können jedoch nicht allein verhindern, dass falsch entsorgte Batterien in ihren Anlagen landen. Betrieblicher Brandschutz ist unverzichtbar, reicht aber allein nicht aus.

Die Studie verdeutlicht diese Grenze: Bei nahezu der Hälfte der betreffenden Anlagen lag der überwiegende Brandentstehungsort 2025 bereits vor dem ersten Aufbereitungsaggregat, insbesondere in Anlieferung, Lager und Bunker sowie in Fahrzeugen. Maßnahmen müssen deshalb früher in der Entsorgungskette ansetzen.

2025 meldeten 62 Prozent der teilnehmenden Anlagen Brände. Die geschätzten volkswirtschaftlichen Schäden sämtlicher erfasster Brandereignisse belaufen sich für die Jahre 2021 bis 2025 auf 250 bis knapp 400 Millionen Euro. Neben Sachschäden entstehen Kosten durch Betriebsunterbrechungen, Feuerwehreinsätze und Folgewirkungen entlang der Wertschöpfungskette. Steigende Versicherungsprämien, höhere Selbstbehalte und verschärfte Anforderungen belasten die Betriebe zusätzlich.

Batteriebrände gefährden Menschenleben und die zuverlässige Entsorgung. Betriebsausfälle können zu verzögerter Müllabholung und höheren Entsorgungskosten führen. Wirksame Gegenmaßnahmen schützen daher auch die Entsorgungssicherheit für die Bürger.

Zur Studie

Die Untersuchung basiert unter anderem auf einer bundesweiten Verbändeumfrage bei 181 Entsorgungs- und Recyclinganlagen für die Jahre 2021 bis 2025 sowie der Auswertung des nationalen und internationalen Forschungsstands.

Beauftragt wurde die Studie von ASA – Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifische Abfallbehandlung e. V., BDE – Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V., bvse – Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V., CMA – Circular Metal Association und VKU – Verband kommunaler Unternehmen e. V. Erarbeitet wurde sie von INFA – Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management GmbH, u&i – umwelttechnik und ingenieure GmbH sowie Prognos AG.