Am 30. Juni 2026 veranstalteten der BDE und Denuo (Belgischer Verband der Entsorgungswirtschaft) ein Parlamentarisches Frühstück im Europäischen Parlament. Gastgeber waren die Europaabgeordneten Pascal Arimont (EVP, Belgien) und Grégory Allione (Renew Europe, Frankreich). Ziel der Veranstaltung war es, die Mitglieder des Europäischen Parlaments für die zunehmende Problematik von Batteriebränden zu sensibilisieren und den politischen Handlungsbedarf auf europäischer Ebene zu verdeutlichen.
Lithium-Ionen-Akkus sind in einer Vielzahl von elektrischen Alltagsgeräten zu finden, von Laptops, Mobiltelefonen und Tablets bis hin zu elektrischen Zahnbürsten, Einweg-E-Zigaretten, Sportschuhen, Kleidung, Spielzeug und Grußkarten. Werden diese Geräte unsachgemäß entsorgt, gelangen sie in den Restmüll und in getrennt gesammelte Abfallströme, wo sie aufgrund physischer Belastungen (z. B. Verdichtung in Müllpressen) in Brand geraten und Müllfahrzeuge sowie Recycling- und Abfallentsorgungsanlagen in Brand setzen können.
Die Zahl dieser Brände hat EU-weit ein solches Ausmaß erreicht, dass Abfallentsorgungsunternehmen in vielen Mitgliedstaaten Schwierigkeiten haben, Versicherungen für ihre Anlagen abzuschließen. Abgesehen davon, dass diese Brände die Abfallentsorgungsinfrastruktur zerstören und die Abfallbehandlung beeinträchtigen, stellen sie auch eine Gefahr für das Leben von Fahrern von Müllfahrzeugen, Anwohnern und Verkehrsteilnehmern sowie für die Mitarbeiter der betroffenen Anlage und die Feuerwehren dar. Zudem bindet ihre Häufigkeit die Ressourcen der Feuerwehren.
Verbände der Abfallwirtschaft haben daher verschiedene Maßnahmen gefordert, um das Brandrisiko zu verringern:
Der Umweltrat erörterte das Thema auf seiner Sitzung am 16. Dezember 2025 auf Initiative Österreichs; die Mitgliedstaaten erkannten die Dringlichkeit des Problems an und forderten eine rasche Prüfung der Einführung eines Batteriepfands durch die Europäische Kommission. Die Europäische Kommission hat bisher auf die Mitgliedstaaten verwiesen und erklärt, dass diese für die Lösung des Problems verantwortlich seien und Maßnahmen auf nationaler Ebene einführen könnten.
Vor diesem Hintergrund haben das Brüsseler Büro des BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft und Denuo, der Verband der Belgischen Entsorgungsunternehmen mit den Europaabgeordneten Pascal Arimont, einem Abgeordneten aus dem deutschsprachigen Teil Belgiens und Mitglied der EVP-Fraktion, und dem französischen Abgeordneten Grégory Allione, Mitglied der Renew-Fraktion, am 30. Juni 2026 im Europäischen Parlament ein parlamentarisches Frühstück zu Batteriebränden veranstaltet.
Dabei wurde eine Panel-Diskussion durchgeführt. Es diskutierten:
Der Gastgeber, der Europaabgeordnete Pascal Arimont, machte auf die zunehmende Brandgefahr in Europas Recyclinganlagen aufmerksam. Er warnte, dass inzwischen kaum ein Tag vergehe, ohne dass es in Europa zu einem Brand in einer Recyclinganlage komme. Die Folgen reichten von erheblichen wirtschaftlichen Schäden über Gesundheits- und Sicherheitsrisiken bis hin zum Verlust wertvoller Rohstoffe.
Herr Arimont verwies auf aktuelle Untersuchungen aus Deutschland und Österreich. Demnach ereignen sich allein im deutschen Abfallsektor rund 30 Brände pro Tag, während die Zahl der Brandereignisse seit 2021 um etwa 30 Prozent gestiegen ist. Als Hauptursache gelten unsachgemäß entsorgte Batterien, insbesondere Lithium-Batterien aus Einweg-E-Zigaretten und E-Bikes, die bei der Annahme, Lagerung oder Zerkleinerung von Abfällen Brände auslösen können.
Als besonders besorgniserregend bezeichnete es Herr Arimont, dass sich die Zahl der im Restmüll gefundenen Lithium-Batterien innerhalb der vergangenen zehn Jahre vervierfacht habe. Dies verdeutliche den dringenden Handlungsbedarf.
Der Europaabgeordnete erinnerte daran, dass europäische Entsorgungsverbände bereits konkrete Maßnahmen fordern. Dazu gehören ein EU-weites Pfandsystem für Batterien, ein Verbot unnötiger Einwegprodukte mit Batterien sowie eine stärkere finanzielle Verantwortung der Hersteller für Schäden am Ende des Produktlebenszyklus.
Auch der EU-Umweltrat habe die Dringlichkeit des Problems im Dezember 2025 anerkannt und die Europäische Kommission aufgefordert, die Einführung eines Batteriesammelpfands auf europäischer Ebene zügig zu prüfen.
Herr Ciobanu-Dordea bedankte sich ausdrücklich beim BDE und beim VOEB für den aufgebauten politischen Druck sowie für die erfolgreiche Verbandsarbeit. Diese habe maßgeblich dazu beigetragen, dass die Arbeiten der Kommission zu einem möglichen Batteriepfand beziehungsweise einem Cashback-System vorangetrieben werden.
Er bekräftigte, dass die EU-Kommission die Branche bei der Bewältigung der Problematik von Batteriebränden in Entsorgungsanlagen und Sammel- beziehungsweise Entsorgungsfahrzeugen unterstützen wolle.
Dies solle jedoch nicht durch Maßnahmen im Rahmen des Circular Economy Act erfolgen, sondern über eine Revision der Batterieverordnung oder eine “Satelliten-Regelung” zur Batterieverordnung.
Herr Ciobanu-Dordea verwies auf die derzeit laufenden Studien der Beratungsunternehmen Öko-Institut und Ramboll zu einem möglichen Batteriepfand beziehungsweise einem Cashback-System. Die Europäische Kommission evaluiere dabei ausdrücklich auch das vom VOEB vorgeschlagene Cashback-Modell.
Parallel hierzu arbeite die Kommission bereits an den erforderlichen Gesetzesfolgenabschätzungen (Impact Assessments), die Voraussetzung für eine grundlegende Änderung der Batterieverordnung – etwa durch die Einführung eines Batteriepfands oder eines Cashback-Systems – sind.
Sollte dieser Bericht die Einführung eines Batteriepfands oder eines Cashback-Systems befürworten, dürfte dies den weiteren Gesetzgebungsprozess erheblich erleichtern. Voraussetzung für eine zügige Umsetzung bleibt jedoch eine Einigung der Co-Gesetzgeber.
Neben einem Batteriepfand wurde auch ein Batteriefonds diskutiert, in den Batteriehersteller zur Finanzierung von Schäden infolge von Batteriebränden einzahlen müssten. Nach Einschätzung der Europäischen Kommission wäre ein solcher Fonds jedoch voraussichtlich rasch ausgeschöpft.
Daher prüfe die Kommission derzeit einen alternativen Ansatz: eine Verpflichtung der Versicherungswirtschaft, aufgrund des öffentlichen Interesses am Schutz der Entsorgungsinfrastruktur und an der Bewältigung der Batteriebrandproblematik einen Versicherungsschutz für betroffene Anlagen bereitzustellen.
Abschließend betonte Herr Ciobanu-Dordea, dass europäische Gesetzgebungsverfahren Zeit benötigten. Gleichwohl werde daran gearbeitet, einen entsprechenden Legislativvorschlag so zügig wie möglich vorzulegen. Außerdem verwies er auf die Änderung der Abfallverbringungsverordnung zur Ermöglichung von Abfallexporten in die Schweiz; diese Änderung sei von Parlament und Rat im Eilverfahren durchgeführt worden und innerhalb weniger Monate in Kraft getreten.
Pascal Arimont erklärte in seinen Abschlussworten, dass das Parlament bereit und fähig sei, Gesetzesverfahren schnell durchzuführen - die Kommission müsse nur schnell etwas vorschlagen.