Die IFAT Munich als weltweit führende Messe für Umwelttechnologien brachte Anfang Mai in München die s, Technologieanbieter, Industrie sowie Vertreter aus Wissenschaft und Politik zusammen, um die Weichen für eine echte zirkuläre Wertschöpfung zu stellen. Die Europäische Kommission war mit EU-Umwelt- und Kreislaufwirtschaftskommissarin Jessika Roswall, dem Generaldirektor der Generaldirektion Umwelt Eric Mamer und dem für Kreislaufwirtschaft zuständigen Direktor der Generaldirektion Umwelt Aurel Ciobanu-Dordea hochkarätig vertreten. Zentrale Impulse lieferte eine vom BDE-Büro Brüssel organisierte Diskussionsrunde zur Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für Rohstoffsicherheit und Wertschöpfung in Europa.
Die Messe wurde von Bundesumweltminister Carsten Schneider und der EU-Kommissarin für Umwelt, Wasserresilienz und eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft Jessika Roswall eröffnet. Beide Spitzenpolitiker besuchten dabei den BDE-Stand.
Eröffnungsrede von EU-Kommissarin Jessika Roswall
EU-Kommissarin Roswall eröffnete die IFAT München 2026 mit einer Rede, in deren Mittelpunkt die enge Verknüpfung von Wasserresilienz und Kreislaufwirtschaft stand. Wasser und Kreislaufwirtschaft seien keine getrennten Politikfelder, sondern bedingten sich gegenseitig – es gebe keine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft ohne Wasserresilienz, und keine Wasserresilienz ohne Kreislaufwirtschaft.
Roswall nannte in ihrer Rede drei Prioritäten in den Schwerpunktbereichen Wasser und Kreislaufwirtschaft:
Neben diesen drei Schwerpunkten verwies Kommissarin Roswall auf den Circular Economy Act (CEA) als eine weitere bedeutende Gesetzgebungsinitiative. Der CEA solle einen funktionierenden Binnenmarkt für Abfälle, Sekundärrohstoffe und kreislaufwirtschaftliche Produkte schaffen. Ziel sei es, den EU-Binnenmarkt zum weltweit attraktivsten Standort für Kreislaufwirtschaftsunternehmen zu machen. Der CEA soll Investitionen in zirkuläre Lösungen ankurbeln und auch Märkte für biobasierte Lösungen – etwa die Umwandlung von Abfall in Energie und Düngemittel – stärken.
Insgesamt zeichnete Roswall das Bild einer EU, die Wasserresilienz und Kreislaufwirtschaft nicht länger als Randthemen, sondern als strategische Säulen ihrer Wettbewerbs- und Energiepolitik begreift – und die dafür auf das Zusammenspiel von Gesetzgebung, Investitionen, Forschung und der Innovationskraft der Wirtschaft setzt.
Podiumsdiskussion des BDE zu Rohstoffsicherheit und Wertschöpfung durch Kreislaufwirtschaft
Am Eröffnungstag wurde im Rahmen einer vom BDE-Büro Brüssel organisierten Paneldiskussion über die notwendigen Weichenstellungen auf europäischer Ebene für die Stärkung der Kreislaufwirtschaft diskutiert und die zentrale Rolle der Rohstoffsicherheit für die Resilienz der Europäischen Union beleuchtet. Unter dem Titel „Rohstoffsicherheit und Wertschöpfung – Mit Kreislaufwirtschaft Europas Zukunft sichern“ diskutierten Herwart Wilms, Präsident des Europäischen Dachverbandes der Entsorgungswirtschaft FEAD, Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie und stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, sowie Aurel Ciobanu-Dordea, Direktor der Generaldirektion (GD) Umwelt der Europäischen Kommission und zuständig für Kreislaufwirtschaft.
In der Diskussionsrunde wurde deutlich, dass Kreislaufwirtschaft längst kein reines Umweltthema mehr ist, sondern sich zu einem elementaren Bestandteil strategischer Industriepolitik und sicherheitspolitischer Überlegungen entwickelt. Angesichts der Kriege im Iran und der Ukraine, der US-amerikanischen Zollpolitik und der unfairen wirtschaftlichen Praktiken aus China wird klar, dass Deutschland und Europa unabhängiger von Importen fossiler Kraftstoffe, Düngemittel und Ressourcen für die Industrieproduktion werden müssen. Kreislaufwirtschaft ist also der zentrale Hebel, um das heimische Wirtschaftssystem resilienter gegenüber der instabilen geopolitischen Situation aufzustellen, Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und Arbeitsplätze zu erhalten.
Der Direktor der GD Umwelt, Ciobanu-Dordea, gab Einblicke in den für Herbst geplanten Circular Economy Act, der durch mehrere Regulierungen komplementäre Zielsetzungen verwirklichen soll. Das Hauptaugenmerk liege darauf, Produkte der Kreislaufwirtschaft aus einer ökonomischen Perspektive sowohl für Konsumenten als auch für Wirtschaftsakteure attraktiver zu machen und das Preisungleichgewicht zwischen Primärprodukten und Rezyklaten neu zu justieren. Eine Verbesserung des intraeuropäischen Warenflusses, die Harmonisierung von Systemen der erweiterten Herstellerverantwortung sowie ein verbesserter Umgang mit kritischen Rohstoffen in der Union stünden dabei im Fokus. Durch einheitliche europäische Verordnungen sollen nationale Barrieren abgebaut werden, die durch die unterschiedliche Umsetzung der Abfallrahmenrichtlinie entstanden sind. Ciobanu-Dordea skizzierte außerdem einen Paradigmenwechsel, wonach der Kommissionsansatz Abläufe der Kreislaufwirtschaft weniger durch behördliche Eingriffe festlegen, sondern der Wirtschaft dabei mehr Eigenverantwortung zukommen lassen wolle. Mit mehr privatwirtschaftlicher Verantwortlichkeit kämen auch mehr Freiheiten und ökonomische Spielräume.
FEAD-Präsident Herwart Wilms hob hervor, dass ein wichtiger Hebel für die Stärkung zirkulärer Geschäftsmodelle die Ankurbelung der Nachfrage nach Recyclingmaterialien sei. Die produzierende Industrie brauche verstärkt Anreize für die Verwendung von Rezyklaten, um eine Skalierung von Recycling in der EU zu unterstützen. Möglichkeiten reichten von finanziellen Vorteilen für die Verwendung von Recyclingmaterialien, über Mindestrezyklateinsatzquoten bis zu Vorgaben für die öffentliche Beschaffung. Wilms stellte heraus, dass 93% der Investitionen in Zirkularität aus der Privatwirtschaft kämen; entsprechend sei ein unterstützendes Rahmenwerk wünschenswert, das diese Investitionen auch zukünftig ermögliche und fördere. Er betonte auch die Bedeutung des Design-for-Recycling, denn Zirkularität beginne nicht erst im Abfallregime. Lange vor dem ersten Produktionsschritt müsse durch eine recyclinggerechte Produkt-konzeption die Lebensendebehandlung mitgedacht werden.
Mona Neubaur unterstrich, dass die interregionale Zusammenarbeit – beispielsweise zwischen Nordrhein-Westfalen, der belgischen Region Flandern und den angrenzenden niederländischen Provinzen – bereits jetzt Impulse für die übergeordneten politischen Ebenen liefern könne, insbesondere bei der gegenseitigen Anerkennung des End-of-Waste-Status von Recyclingmaterialien. Um die Potentiale des Binnenmarktes endlich vollständig zu entfesseln, seien EU-weit einheitliche Regelungen notwendig, die Vertrauen in wiedergewonnene Ressourcen stärken und den freien Warenverkehr vereinfachen.
Holger Lösch verwies darauf, dass Industrie und Wirtschaft seit jeher einem steten Transformationsprozess unterlägen, um sich an neue Herausforderungen und Technologien anzupassen. Die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft folge dieser Logik und es sei klar, dass sich in Zukunft unser gesamtes Wirtschaftssystem – von der Art, wie Produkte konzipiert, produziert, transportiert, verkauft und konsumiert werden – unweigerlich verändere. Der Wille der Industrie, sich daran aktiv zu beteiligen, sei gesichert.
Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig: Wenn die ökonomischen Rahmenbedingungen stimmen, wird die Kreislaufwirtschaft zum Motor für Europas künftige Wettbewerbsfähigkeit. Die IFAT 2026 hat gezeigt, dass die Branche bereit ist – nun muss der politische Rahmen folgen.